Prora (dpa/mv). Prora auf Rügen ist ein besonderer Ort. Hier steht ein riesiger Bau aus der NS-Zeit, aber auch die DDR hinterließ ihre Spuren. Einem Verein, der darüber aufklärt, droht das Aus.

Einem Verein, der sich am geschichtsträchtigen Ort Prora auf Rügen um die dortige DDR- und NS-Vergangenheit kümmert, droht das Aus. Er gehe davon aus, dass sich der Verein Prora-Zentrum nicht in seiner bisherigen Form werde retten können, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Bohnhoff der Deutschen Presse-Agentur. Es müssten sich Dritte engagieren. Ziel sei, die Bildungsarbeit zu sichern. Entsprechende Gespräche liefen.

Gläubiger des Vereins hatten schon vor einiger Zeit Insolvenzanträge gestellt. Laut Amtsgericht Stralsund handelte es sich um Krankenkassen als Einzugsstellen der Sozialversicherungsbeiträge. Nun sei am Montag außerdem ein Insolvenzantrag vom Verein selbst eingegangen. Anfang April hatte die stellvertretende Vereinsvorsitzende, Kerstin Kassner, noch gesagt, man versuche, bis Ende April Geld zu sammeln, um die Verbindlichkeiten zu bedienen, damit die Anträge doch noch zurückgezogen werden können. Das habe nicht geklappt, sagte sie nun.

Das Prora-Zentrum ist nach eigenen Angaben einer von zwei Vereinen, die sich vor Ort maßgeblich um die Bildungsarbeit zur dortigen Vergangenheit kümmern, etwa mit Ausstellungen und Veranstaltungen.

Wichtige NS-Hinterlassenschaft

In Prora wurde im Nationalsozialismus zwischen 1936 und 1939 das 4,7 Kilometer lange Bad der „NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude“ gebaut. Die denkmalgeschützte Anlage sollte bis zu 20 000 Menschen Urlaub an der Ostsee ermöglichen. Prora wird neben NS-Bauten in Nürnberg zu den wichtigsten geschlossenen architektonischen Hinterlassenschaften der NS-Zeit gezählt. Die DDR nutzte das Gelände unter anderem für militärische Zwecke. In den zurückliegenden Jahren sind große Teile der Anlage in Ferien- und Eigentumswohnungen umgewandelt worden.

Das Land hat einen Gebäudeteil gekauft und will dort ein Bildungs- und Dokumentationszentrum zur Geschichte Proras errichten. „Dass der Verein sich in einem Insolvenzverfahren befindet, ist bedauerlich“, hieß es vom Schweriner Kulturministerium. „Durch das laufende Verfahren ist die Landesregierung in ihren Handlungsmöglichkeiten ebenfalls gebunden.“

Geplantes Bildungs- und Dokumentationszentrum nicht gefährdet

Der Aufbau des geplanten Bildungs- und Dokumentationszentrums im Block V in Prora sei allerdings von dem Insolvenzverfahren unberührt und wird dadurch auch nicht gefährdet. „Die Landeszentrale für politische Bildung ist weiter mit Vertretern des Vereins im Gespräch und wird sich auch unabhängig von der Zukunft des Vereins bemühen, das dort vorhandene Know-how und Expertenwissen für den Aufbau der Ausstellung zu erhalten.“ Die Landeszentrale berate auch bei der Übertragung von Ausstellungs- und Sammlungsobjekten des Vereins an einen anderen Träger. Karsten Schneider, der Bürgermeister der Gemeinde Binz, zu der Prora gehört erklärte, man führe sehr konkrete Gespräche, um etwa Exponate und Bildungsinhalte auch für die Zukunft zu sichern.

Kassner hatte Anfang April auf Einnahmeausfälle während der Corona-Pandemie und gestiegene Personal- und Energiekosten als Gründe für die finanzielle Schieflage des Vereins verwiesen. Die noch vor kurzem zugängliche Website des Prora-Zentrums war zuletzt nicht mehr verfügbar.